Übersicht

Über die Zukunft von Live Events in China

Sechs Fragen an Dominik Soemantri, General Manager VOK DAMS Shanghai

Die Nachfrage nach Live-Events steigt an: Wie sieht das Comeback von Face-to-Face-Erlebnissen aus? Mit dieser Frage haben sich unsere Kolleg*innen von VOK DAMS China schon vor einiger Zeit beschäftigt. Unser General Manager VOK DAMS China, Dominik Soemantri gibt uns Einblicke in die Situation auf dem chinesischen Markt und spricht über die Entwicklungen, die er in der Eventbranche erlebt.

Dominik, wie hast du die Pandemie persönlich erlebt? Wie hat sich dein Lebensstil geändert?

[Dominik Soemantri]: Glücklicherweise ging der Lockdown in Shanghai nicht so lange, etwa zwei Monate. Ich habe öfter und gesünder gekocht und zu Hause ab und zu Sport getrieben, was ich auch beibehalten werde. Wenn diese Zeit etwas Positives gebracht hat, dann wohl, dass die Menschen mit ganz simplen Aktivitäten zufrieden waren. Ich hab mich mit Freunden im Park getroffen, anstatt in einem Restaurant, bin mehr mit dem Fahrrad, statt mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren, bin am Fluss entlang gejoggt, statt auf dem Laufband und Brettspiele mit Freunden haben den Besuch in der Bar ersetzt. Insgesamt bin ich meinen Freunden und meiner Familie näher gekommen, da ich mehr Zeit mit ihnen verbracht habe.

Welche Tipps kannst du anderen Veranstalter*innen für die Planung von Live Events Post-COVID mitgeben?

[Dominik Soemantri]: Nachdem Veranstaltungen in China wieder zugelassen wurden und der Markt wieder in Schwung kam, musste jede Veranstaltung, je nach Umfang und Art, bestimmte Pandemiebekämpfungsmaßnahmen ergreifen usw. Es gibt Standardmaßnahmen zur Pandemiebekämpfung, die wir befolgen müssen, wie COVID-Tests, Masken, soziale Distanzierung, Kontrolle der Körpertemperatur usw. All diese Maßnahmen werden in einem Pandemiekontrolldokument für Veranstaltungen zusammengefasst und sind Teil der obligatorischen Einreichung für den Antrag auf eine Veranstaltungsgenehmigung in China.

Was sind derzeit die beliebtesten Veranstaltungsformate, die von Kund*innen angefragt werden?

[Dominik Soemantri]: Da der COVID-19-Ausbruch unter Kontrolle gehalten wurde, gab es auf dem chinesischen Markt eine geringere Nachfrage nach digitalen Lösungen als in anderen Ländern. Vier Monate nach Beginn der Pandemie waren Live Events bereits wieder erlaubt, allerdings mit den bereits beschriebenen Sicherheitsmaßnahmen. Als Ausweichlösung fragen Kund*innen immer noch nach hybriden Lösungen, bei denen eine Live-Veranstaltung schnell in ein digitales Erlebnis übersetzt wird. Aber rein digitale Veranstaltungen sind in China tatsächlich ein seltenes Format.

Sektoren, die in China nach COVID-19 einen Boom erlebt haben, sind Luxusgüter, F&B und Inlandstourismus, was Corporate Brands dazu veranlasst, zu reagieren. Da internationale Reisen fast unmöglich geworden sind, beginnen immer mehr Chines*innen, ihr Heimatland zu erkunden. Während des Feiertags zum Tag der Arbeit im Mai 2021 sind innerhalb von China über 230 Millionen Menschen gereist.

Während die Veranstaltungsformate gleich bleiben, sehen wir eine Diversifizierung der Veranstaltungsorte, wobei sich Marken darauf konzentrieren, dort gesehen zu werden, wo ihr Publikum ist. Pop-up-Stores und semi-permanente Pop-ups sind nach wie vor im Trend, aber die Wahl des Standorts hat sich geändert: Statt nur die Tier-1-Cities ins Auge zu fassen, werden jetzt auch kleinere Städte oder sogar Reiseziele wie Sanya (ein Top-Strandreiseziel in China) in Betracht gezogen, um eine Lifestyle-Verbindung mit ihren Kund*innen auf der Straße aufzubauen.

Was sind derzeit die am häufigsten nachgefragten digitalen Tools im Eventbereich und wofür werden sie eingesetzt?

[Dominik Soemantri]: Das hängt wirklich von der Art und dem Zweck des Events ab. Da die digitalen Technologien in China recht ausgereift sind, kombinieren die meisten Veranstaltungen eine Vielzahl von Tools, um die Wirkung zu maximieren. Live-Streaming ist jetzt sehr beliebt, da Bestellungen direkt während der Events über Live-Streaming-Plattformen aufgegeben werden können. In diesem Zusammenhang sind Apps, die sich auf nutzergenerierte Inhalte konzentrieren, wie Little Red Book oder Douyin (das chinesische Äquivalent zu Tik Tok), beliebte Kanäle, auf denen KOLs und Blogger*innen sowohl für die Markenkommunikation als auch für verkaufsfördernde Aktivitäten eingesetzt werden.

Für Veranstaltungen mit internationalen Teilnehmer*innen (wie Foren und Konferenzen) nutzen die meisten unserer Kund*innen Zoom. Da Zoom seine Grenzen hat, haben wir das Glück, dass VOK DAMS schon während der Pandemie an einer eigenen Plattform gearbeitet hat, die im letzten Jahr gelauncht wurde und bereits für eine Vielzahl von länderübergreifenden Events genutzt wurde.

Welche Entwicklungen wurden durch die Pandemie angestoßen oder intensiviert und sind nun Bestandteil der Branche?

[Dominik Soemantri]: Was nach der Pandemie schön zu sehen war, war das Verlangen der Kund*innen und des Publikums in China nach greifbaren Erfahrungen. Trotz der steigenden Nachfrage nach digitalen Lösungen haben wir erkannt, dass es keinen echten Ersatz für Live Events gibt. Ich denke, dass Hybrid- und Live-Erlebnisse in Zukunft Hand in Hand gehen werden, aber nur sehr wenige Marken oder Unternehmen sich ausschließlich auf digitale Lösungen verlassen werden.

Ein weiterer Aspekt, den wir erfahren haben, ist die absolute Notwendigkeit, in dieser Branche flexibel zu sein. Man kann sich nicht nur auf eine Event-Lösung verlassen, sondern muss einen Backup-Plan haben und in der Lage sein, auf sich ständig ändernde Situationen sofort und kosteneffizient zu reagieren.

Welche großen Themen siehst du, die mittel- bis langfristig Einfluss auf Events haben werden?

[Dominik Soemantri]: Ob es einem gefällt oder nicht, während COVID-19 hat sich die Luftqualität verbessert, das Wasser wird sauberer und die Kohlenstoffemissionen gehen überall zurück. Die Welt und die Menschen haben das gemeinsame Ziel, Kohlenstoffneutralität zu erreichen. Die Menschen erkennen das jetzt deutlicher, und das wird hoffentlich nicht so bald vergessen.

Glücklicherweise erkennen auch unsere Kund*innen, wie wichtig dieses Thema ist. Eines unserer laufenden Projekte mit einer Luxus-Automarke konzentriert sich auf die Vermittlung einer gesundheits- und fitnessbezogenen Botschaft mit einem starken Engagement für die Nachhaltigkeit des Events selbst. Zum ersten Mal werden nachhaltige Materialien nicht nur in Betracht gezogen, sondern vorgeschrieben und alle Veranstaltungsmaterialien müssen wiederverwendet werden, anstatt sie zu entsorgen. Dies ist Teil einer Strategie, die darauf abzielt, als Automobilhersteller bis 2030 klimaneutral zu werden. Wir sind dankbar, Teil dieses Projekts zu sein, und hoffen, dass dies das erste von vielen dieser Art sein wird.

Immer mehr Unternehmen integrieren Nachhaltigkeit als wichtigen Aspekt in ihre Planung. Wir sehen, dass Nachhaltigkeit in Zukunft zu einer integralen Philosophie des Lebensstils und zu einem Prinzip jedes Unternehmens werden wird, und wir freuen uns, zu diesem Wandel beitragen zu können.